Ostern: Die Auferstehung

Es glänzt wie dickes schwarze Öl
Und sein Geruch durchströmt den Raum
Ein grünes Auge im Gallert
Ganz leicht umrahmt von weißem Flaum

Du hälst es noch in deiner Hand
Zehn Jahre ist es nun schon her
Die Zeit hat deine Haut verbrannt
Und die Erinn’rung schmerzt mich sehr

In all der ewig langen Zeit
In der ich dich behütet hab’
Dacht ich doch nur an uns’ren Streit
Und meinen folgenschweren Schlag

Als jedes Auge noch ganz fest
und klar in seiner Höhle lag
War dieses Haus ein warmes Nest
Kein feuchter, kalter, dunkler Sarg

Doch erst seit jedes Stückchen Fleisch
Sich löste unter schwarzer Haut
Seit Maden kamen fahl und bleich,
die jeden Vorwurf längst verdaut

Weiß ich, dass ich im Unrecht war
Ich war so blind und voller Hass
War wie ein Kind, ein dummer Narr
Doch dieser Zorn ist längst verblasst

Nun köpfe ich das alte Ei,
dass ich zu Ostern dir geschenkt
Und lass mit jedem Löffel frei
Was noch an Schuld im Herzen hängt

Als die Aromen sich verteil’n
Und gleich mein Magen rebelliert
Weiß ich: Bald werd’ ich zu dir eil’n
Und Aufersteh’n zur Osterzeit

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