Sie wachsen

Im halbfesten Gallert, in Mänteln aus Kalk
reift gierig der Kern neuen Seins.
Noch so winzige Glieder entwachsen dem Leib
und ein Herz zuckt im Innern des Steins.

Kleine Augen noch blind, suchen Wege hinaus,
doch die Zeit hält sie vorerst zurück.
In der Wärme des Leibes, den Mutter gemacht
träumt ein wachsendes Hirn stumm vom Glück.

Denn manch’ Schöpfung gedeiht nicht im Schoße des Lichts.
Zwischen Wiesen und Auen und Laub.
Was dort wuselt und saugt, was belauert und sticht,
das braucht Stille und Schatten und Staub.

Ihr Antlitz ist grässlich und schrill ihr Gesang.
So steht es in den Schriften von einst.
Werden sie erst geboren, erfüllt sie ein Drang,
der sie hinführt, wo du sicher scheinst.

Mit der Lust frischen Lebens beginnt ihre Jagd.
Ein Wettlauf im schützenden Schwarm.
Sie erblühen im Dunkeln, ruhen still, wenn es tagt
und sie suchen ein Nest, feucht und warm.

In Wäldern und Kellern hab ich sie versteckt.
Ganz behutsam, nach christlichem Brauch.
Du kannst sie nicht finden, doch wirst du erst entdeckt,
trägst auch du neues Leben im Bauch.

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